Berlin-Programm

Samstag, 12. Dezember 2015, ab 14.00 Uhr
Collegium Hungaricum Berlin
Dorotheenstraße 12
10117 Berlin

14.00 – 15.30 Uhr
Panel 1: Krieg und Medien
Bei den Kriegen in der Ukraine und Georgien war die Wahrheit eines der ersten Opfer. Staatliche Medien wurden zum willigen Werkzeug der Militärs zur psychologischen Kriegsführung, kritische Journalisten werden verfolgt bzw. finden für ihre Berichte und Kommentare kaum ein Forum mit größerer Reichweite. Die mediale Propaganda ist verantwortlich für den teilweise großen Rückhalt in der Bevölkerung mit kaum absehbaren Folgen. Denn eine Entspannung der Lage, eine Annäherung der Länder und Gesellschaften erscheint angesichts einer jahrelangen und massiven medialen Agitation und Stereotypisierung und einem Desinteresse an Aufklärung gegenwärtig kaum denkbar. Mit welchen Maßnahmen könnten dennoch ein kritisches Bewusstsein und mediale Dialogforen geschaffen werden, die dazu geeignet wären, ein breiteres Publikum zu erreichen? Was sollten Intellektuelle und Medienschaffende dazu beitragen?

Mit Mustafa Nayem (UA/Parlamentsabgeordneter), Ute Schaeffer (D/Deutsche Welle), Sergei Guskov (RUS/Colta). Moderation: Barbara Oertel (D/taz)

16.00 Uhr: Live-Schalte nach Tbilisi

16.30 – 18.00 Uhr

Panel 2: Krieg und Gedächtnis
Kaum etwas prägt die Erinnerung so sehr wie der Krieg und seine Folgen. Die Einschnitte in Gesellschaften und Familien können so elementar sein, dass sich traumatische Erlebnisse auch noch auf nachfolgende Generationen von Überlebenden und Zeitzeugen auswirken (postmemory, M. Hirsch). Abgesehen vom Schicksal des Einzelnen hat der Staat ein Interesse daran, sich und seine Politik durch die Vermittlung spezifischer Erinnerungskulturen zu legitimieren und zum Teil Helden- und Opfermythen zu schaffen, die wiederum andere ausgrenzen. Wie gehen die Gesellschaften in der Ukraine, in Georgien und in Russland mit den Kriegsereignissen der jüngeren Vergangenheit um? Welche Formen der Erinnerungs- und Denkmalkulturen sind zu beobachten? Inwieweit hat sich das Kriegsthema in den Curricula, im Geschichtsunterricht an Schulen und Universitäten dieser Länder bereits niedergeschlagen? Und wie beeinflussen Intellektuelle, Schriftsteller und Künstler mit ihren Arbeiten Geschichtsbilder und die Erinnerung an den Krieg?

Mit György Dalos (D/HU/Schriftsteller), Mykola Borovyk (UA/Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, München/Regensburg), Mischa Gabowitsch (D/Einstein Forum Potsdam). Moderation: Florian Kührer-Wielach (D/Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas)

18.30 – 20.00 Uhr
Panel 3: Krieg und Migration
Der Krieg in der Ukraine wie auch in Georgien hat zu Flüchtlingsbewegungen in diesen Ländern geführt. Die Binnenflüchtlinge (in der Ukraine ca. 1,4 Mio. Menschen) haben Heimatregion und Arbeit verloren, sich von Familien und Freunden verabschiedet und stehen vor einer ungewissen Zukunft. Auch angesichts ihrer Zahl stehen die Länder vor gewaltigen Herausforderungen, um das gesellschaftliche Klima nicht zu vergiften. Was unternehmen die Ukraine und Georgien, um diese Herausforderungen zu meistern? Welche Zukunftsszenarien werden von staatlicher Seite durchgespielt? Gibt es ein zivilgesellschaftliches Engagement, um Flüchtlingen zu helfen und sie vor Ort zu integrieren? Ukrainische Flüchtlinge gibt es auch in Russland: Wie stehen kritische russische Intellektuelle zu diesen Folgen des Krieges? Hinzu kommen in der Ukraine mentale und soziale Differenzen, die beim Zusammentreffen von Flüchtlingen aus dem Osten mit der Bevölkerung im Westen des Landes zu Tage treten. Wie können diese Differenzen überbrückt werden und welchen Beitrag leisten dazu die Intellektuellen?

Mit Kateryna Mishchenko (UA/Schriftstellerin), Zaza Burchuladze (GE/ Schriftsteller), Serhiy Leshchenko (UA/Politaktivist und Abgeordneter). Moderation: Susi K. Frank (D/Humboldt-Universität zu Berlin)

20.00 Uhr: Empfang

21.00 Uhr:  Solokonzert mit der ukrainischen Singer-Songwriter-Legende Taras Chubay (Bandleader von Plach Yeremiyi)

Projektleitung: Kateryna Stetsevych (kulturgenossenschaft e.V.) und Claudia Dathe (Universität Tübingen)

Projektpartner: Europe House Georgia (Tbilisi, Georgien), Bundeszentrale für politische Bildung (Deutschland)

Gefördert durch das Auswärtige Amt und die Bundeszentrale für politische Bildung

Anmeldung erbeten unter E-Mail: zukunftsgesellschaft[at]gmail.com

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